Landschaften sind für Hobbyfotografen ebenso wie für Profis regelrechte Objekte der Begierde. Sie sprechen unseren Wunsch nach Romantik und Harmonie an und geben Stimmungen auf besonders eindrucksvolle Weise wieder.

In diesem Artikel sollst du die wichtigsten Dinge erfahren, die zu beachten sind, wenn deine Landschaftsfotografie gelingen soll.

Die richtige Ausrüstung für Landschaftsfotografen

So wie bei jedem Fotografie-Stil benötigt man auch bei der Landschaftsfotografie ein bestimmtes Equipment. Natürlich kann man auch ohne die folgende Ausrüstung sehr schöne Fotos machen, aber manche Sachen erleichtern einem einiges und eröffnen ganz neue Möglichkeiten.

Die Kamera – eigentlich selbstverständlich

So selbstverständlich es sich auch anhört, man benötigt eine Kamera. Bestenfalls sollte man eine Spiegelreflexkamera mit möglichst vielen manuellen Einstellungsmöglichkeiten benutzen, bei der man die Blende, die Belichtungszeit und die ISO manuell verstellen kann. Außerdem sollte die Kamera im Idealfall per Fernauslöser bedienbar sein.

Die Megapixel spielen zwar eigentlich eine untergeordnete Rolle, aber umso mehr Megapixel das Foto hat, umso besser kann man später einen Bildausschnitt vergrößern, ohne große Verluste in der Bildqualität hinnehmen zu müssen. Das Bild besitzt einfach mehr Details.

Das richtige Objektiv für die Landschaftsfotografie

Mit einem Weitwinkelobjektiv die Wolkenformationen als Kontrast zum Strand festhalten

Mit einem Weitwinkelobjektiv die Wolkenformationen als Kontrast zum Strand festhalten

Gibt es das richtige Objektiv? Das ist eine schwere Frage. Denn es kommt immer darauf an, was man ablichten möchte. Ich persönlich fotografiere immer sehr gerne mit einem Weitwinkelobjektiv (18mm + Cropfaktor). Dadurch kann ich zum Beispiel, wie auf dem Foto links, den blauen Himmel mit seinen Wolken als Kontrast benutzen.

Allerdings habe ich auch schon sehr schöne Fotos mit meiner Festbrennweite (50mm) gemacht. Mit einer größeren Brennweite lassen sich Landschaften im Normalfall eher schlecht fotografieren. Oft leben die Landschaftsfotos vor allem von den vielen Details, die man schwer mit einem 200mm Objektiv ablichten kann.

Die Qualität des Objektivs spielt eine sehr wichtige Rolle. Nur selten haben Landschaftsfotos eine Tiefenunschärfe. Das Ziel ist also möglichst scharfe Fotos zu machen und hier tun sich Kit-Objektive oft sehr schwer.

Ein absolutes must have: Ein Stativ mit Fernauslöser

Wie schon oben angedeutet, will der Fotograf normalerweise keinerlei Unschärfe in seinem Bild haben. Um das zu erreichen sollte die Blende geschlossen sein (mehr dazu gleich). Das wiederum sorgt für eine lange Belichtungszeit, die in der Dämmerung schon mal 30s dauern kann. Ein stabiles Stativ ist also sehr hilfreich. Ein Fernauslöser hilft dem Fotografen, die Kamera beim Auslösen nicht zu verwackeln. Früher hat man Infrarotauslöser benutzt. Allerdings können moderne Kameras heute sogar schon per Bluetooth über ein Smartphone ausgelöst werden

Falls man mal keinen Fernauslöser zur Hand hat, kann man auch einfach per Selbstauslöser fotografieren. Oft muss man dann zwar 10 Sekunden warten, aber das ist immer noch besser als per Hand direkt auszulösen.

Die richtigen Filter ermöglichen einiges

Vereinfacht gesagt, sind Filter Glasscheiben mit bestimmten Eigenschaften, die vor das Objektiv schraubt.

Es gibt sehr viele verschiedene Filter, für sehr viele verschiedene Situationen. Bei der Landschaftsfotografie sind vor allem diese drei Filter wichtig.

landschaftsfotografie mit und ohne polfilter

Fotos mit und ohne Polfilter (Quelle: VisualBio 1 & 2)

Der Polfilter

Ein Polfilter ist physikalisch gesehen ein hoch interessanter Filter (Mehr dazu auf Wikipedia). Für uns Fotografen hat er folgende wichtige Eigenschaften:

  • Er unterdrückt unschöne Reflexionen von Wasser und metallischen Oberflächen
  • Er sorgt für viel sattere Farben und stärkeren Kontrast

Sehr schön ist das am Beispiel einer Wiese und einem blauen Himmel zu sehen. Wikipedia schreibt dazu:

„Die Grünwiedergabe von Laub und Gräsern wird verbessert, weil der Polarisationsfilter störende (blaue) Reflexe des Himmels teilweise unterdrückt.

Das Blau eines wolkenlosen Himmels ist teilweise polarisiert. Mit Hilfe eines Polarisationsfilters kann ein Großteil des hellen Himmels zurückgehalten werden, so dass der Himmel auf dem Foto dunkler und somit kräftiger in seiner Farbe erscheint. Weiße Wolken treten deutlicher vor dem blauen Himmel hervor.“

Neutralfilter (auch ND-Filter genannt):

Vereinfacht gesagt, macht ein Neutralfilter nichts anderes, als dem Fotografen ein paar Blendenstufen weniger Licht zu schenken, indem er das Licht einfach etwas abschwächt.

Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn man eine lange Belichtungszeit haben will. Diese braucht man zum Beispiel, um Bewegung und Dynamik ins Bild zu bekommen.

Neutralfilter kommen oft bei Flüssen, Wasserfällen oder Seen zum Einsatz, da man mit einer längeren Belichtungszeit die Bewegung des Wassers besser festhalten kann.

Verlaufsfilter

Verlaufsfilter sind Filter, die ähnlich wie Neutralfilter funktionieren, allerdings mit dem Unterschied, dass sie oben mehr filtern als unten.

Man kann dadurch zum Beispiel den hellen Himmel etwas abdunkeln und so eine ausgewogene Belichtung erreichen.

Einen guten Artikel über Verlaufsfilter findet man auf kwerfeldein.de – Warum benutze ich Verlaufsfilter

Jetzt geht’s los – Die richtige Kameraeinstellung

Die Blendeneinstellung

Die Blende ist eine der wichtigsten Einstellungen. Sie reguliert, wie scharf der Hintergrund sein soll (und wie viel Licht auf den Sensor gelangt). Eine hohe Blendenzahl (entspricht einer geschlossenen Blende) sorgt für wenig Tiefenunschärfe. Der Hintergrund ist also scharf.

Eine niedrige Blende verursacht das Gegenteil. Nur der Vordergrund bleibt scharf. Der Hintergrund hingegen wird unschärfer.

Bei der Landschaftsfotografie möchte man oft jedes Detail erkennen und deswegen arbeitet man oft mit einer hohen Blendenzahl, also einer geschlossenen Blende. In Zahlen sollte die Blende min. über 9 sein.

Die Belichtungszeit

Die Belichtungszeit und die Blende gehören zusammen. Wenn man Blende ändert, muss man auch die Belichtungszeit anpassen.

Im Prinzip ist es ganz logisch: Die Blende reguliert wie viel Licht auf den Sensor gelassen wird und die Belichtungszeit reguliert, wie lange der Sensor belichtet wird. Am Ende des Bildes muss immer die gleiche „Masse“ an Licht auf den Sensor gekommen sein, damit das Bild hell genug ist.

Aber zurück zur Landschaftsfotografie. Die Belichtungszeit ist oft sehr lange, da die Blende im Normalfall sehr weit geschlossen ist. Damit das Bild dann nicht verwackelt, wird ein stabiles Stativ benötigt.

Mit einer langen Belichtungszeit kann man sehr schöne Fotos machen. Man bekommt Dynamik ins Bild. Ein Wasserfall schaut auf dem Foto fast aus wie Seide. Oder die Wasseroberfläche von Seen wirkt viel ruhiger. Bei Architekturfotos hat man oft das Problem, dass viele Menschen sich in das Bild drängen. Mithilfe einer langen Belichtungszeit, bekommt man Menschen, die sich bewegen vom Bild. Und das sind nur ein paar Sachen, bei denen die lange Belichtungszeit hilfreich ist.

Die ISO-Einstellung

Die ISO, also die Lichtempfindlichkeit, sollte zwischen 200 bis 800 eingestellt sein. Umso höher die ISO ist, umso weniger Licht braucht man für das Bild. Allerdings muss man dafür ordentlich an Bildqualität einbüßen.

Bei der Landschaftsfotographie macht eine hohe ISO-Einstellung eigentlich nur dann Sinn, wenn man ohne Stativ fotografiert, also ein Freihandfoto macht. In diesem Fall dreht man die ISO hoch und die Belichtungszeit runter. Dadurch wird das Foto ohne Verwenden eines Stativs einigermaßen scharf.

Die Auflösung

Man sollte immer die maximale Auflösung wählen und die Fotos im RAW Format abspeichern. Der Grund ist ganz einfach. Umso höher die Auflösung ist, umso mehr Details sind später auf dem Foto erkennbar. Außerdem ist es sehr praktisch die Fotos im RAW Format, also als digitales Negativ, zu haben. Man kann diese unkomprimierten Bilder viel besser bearbeiten als komprimierte JPGs.

Motiv- und Bildgestaltung

Das war es jetzt von der rein technischen Seite. Die Ausrüstung steht fest und auch die Kamera ist richtig eingestellt. Jetzt kommt der kreative Part der Landschaftsfotographie.

Satte Farben machen Landschaftsfotos zum Highlight

Die Natur bietet eine wahnsinnig schöne Palette an Farben und Kontrasten. Grüne Wiesen, blauer Himmel oder rote Sonnenuntergänge. Eine gute Farbwirkung peppt das Bild ungemein auf und macht das Foto für den Betrachter viel interessanter.

Vorder –Mittel und Hintergrund

Vor allem für Anfänger ist dieses Thema oft schwer zu verstehen. Durch eine Unterteilung des Bildes in zwei (nur Vorder – und Hintergrund) oder drei Ebenen entsteht eine räumliche Wirkung, die für den Betrachter sehr anziehend wirkt.

Ein sehr gutes Beispiel dafür ist dieses Foto von Mexico City. Es gibt drei verschiedene Ebenen: Den Vordergrund (Der Hauptplatz – rot), den Mittelgrund (das Gebäude – gelb) und den Hintergrund (Der Himmel – weiß). Durch diese drei verschiedenen Ebenen entsteht eine sehr gute Raumwirkung, von der die Landschaftsfotografie lebt.

Außerdem finden sich in diesem Bild sehr viele interessante Linien. Dazu jetzt mehr.

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Diagonalen und Linienführung – Den Blick gezielt auf das Motiv führen

Klare Linien oder auch Diagonalen führen den Blick des Betrachters durch das Bild. Auch strahlt so das Bild eine gewisse Ordnung aus, die sehr positiv wirken kann. Aber jede Art der Blickführung wirkt anders.

Der Horizont ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Auf den Betrachter wirkt ein Foto mit einer horizontalen Linie eher räumlich und ruhig. Im Gegensatz zu einer aufsteigenden Diagonale. Diese wirkt genauso positiv, macht aber das Bild eher dynamisch und lebendig.

Eine absteigende Diagonale führt meistens eher zu negativen Eindrücken. Wie man sieht, kann man alleine durch Linien und Diagonalen schon einiges bewirken.

Man muss ebenso aufpassen, dass die Linienführung in das Bild führt und nicht aus dem Bild heraus. Ansonsten fällt der Blick immer wieder aus dem Bild heraus.

Dr. Web hat sich noch intensiver mit dem Thema auseinander gesetzt und einen lehrreichen Artikel über die gezielte Blickführung geschrieben

Die Wirkung von gezielter Linienführung am Beispiel einer Pyramide

Die Wirkung von gezielter Linienführung am Beispiel einer Pyramide

Drittelregel – Die Anwendung des Goldenen Schnitts

Eine weitere bekannte Regel, die es nicht nur bei der Landschaftsfotografie gibt, ist die sogenannte Drittelregel. Diese Regel entspricht dem Goldenen Schnitt, der auf die Fotografie angewendet wird.

Die Drittelregel (Quelle: Moondigger)

Die Drittelregel (Quelle: Moondigger)

Es ist eigentlich ein sehr einfaches Prinzip. Man unterteilt ein Bild in 9 gleichgroße Teile, in dem man zwei horizontale und zwei vertikale Linien durch das Foto zieht.

Die Drittelregel besagt, dass der Vordergrund, also das Hauptmotiv interessanter wirkt, wenn es auf einem der vier Schnittpunkte liegt oder es sich auf einer der vertikalen Linien befindet.

Viele der neueren Kameras, haben bereits die Funktion ein solches Raster in das Sucherbild einzublenden.

Dynamik

Wie oben schon mal erwähnt, kann man durch längere Belichtungszeiten eine sehr interessante Dynamik im Bild schaffen. Vor allem bei allen Arten von Wasser sorgt das für eine schöne Wirkung.

Aber auch Wolken oder Sterne können bei einer längeren Verschlusszeit eine einzigartige Bewegung in das Bild bringen. Ein anderes Beispiel ist es eine lang belichtete Autobahn. Hier entstehen die bekannten weißen und roten Linien der Autolichter auf dem Bild. Siehe auch Linienführung (etwas weiter oben).

Leider kann man nur mit langen Belichtungszeiten fotografieren, wenn der das Licht schwach ist. Da dies vor allem tagsüber ein Problem ist, benutzt man die oben genannten Filter, um das Licht abzuschwächen.

Sonnenuntergänge – Das Lieblingsmotiv aller Landschaftsfotografen

Sonnenuntergang im Gegenlicht ergibt schöne Konturen

Eines der beliebtesten Motive für Fotografen ist der Sonnenuntergang bzw. der Sonnenaufgang (für die Frühaufsteher unter uns). Die Farben, die ein Sonnenuntergang hat, sind mit die schönsten, die die Natur zu bietet. Außerdem sollte man sich ein schönes Objekt im Vordergrund suchen, dass man ablichten kann (Siehe Kaktus).

 

Allerdings ist ein Sonnenuntergang gar nicht so leicht zu fotografieren. Folgendes sollte man dabei beachten:

  • Ein Stativ ist eigentlich Pflicht, da man längere Belichtungszeiten aufgrund des schwachen Lichts hat
  • Blende sollte soweit wie möglich zu sein
  • Der Weißabgleich sollte auf Wolkig oder Schatten eingestellt sein, dadurch gehen die warmen Farbtöne nicht verloren
  • Die Belichtungsmessung sollte man so einstellen, dass sie nicht die Sonne als Grundlage wählt. Dadurch wird oft der Vordergrund viel zu dunkel. (Mit Hilfe der „Auto Exposure Lock (AEL) Funktion, kann man die Belichtungswerte von einer anderen Stelle (Wolken, Vordergrund, etc) speichern und so problemlos die Sonne fokussieren.

Inspiration

Es gibt viele, sehr gute Möglichkeiten, um sich inspirieren zu lassen. Folgende Links führen zu einigen, sehr schönen Landschaftsfotografien.

Wenn man genügend Inspiration gefunden hat,
  • Kamera mit möglichst vielen Einstellmöglichkeiten
  • Weitwinkelobjektiv
  • Stativ mit Fernauslöser
  • Verschiedene Filter
Wow, das war jetzt wirklich ein sehr langer Beitrag. Nun aber noch ein letzter wirklich wichtigster Tipp, um das perfekte Landschaftsfoto zu schießen:

Und der letzte Tipp

Üben, Üben, Üben und immer wieder versuchen sich Gedanken zu den Fotos zu machen. „Was könnte ich besser machen? Wie wäre es, wenn…?“

Schaut euch dazu auch noch Fotos von anderen an. Und versucht im besten Fall ein Teil einer Community zu werden, in der andere eure Fotos kritisieren.